Vitamin D – Viel hilft viel! Oder doch nicht?

27.06.2019 15:19

Vitamin D – Viel hilft viel! Oder doch nicht?

Vitamin D, genauer gesagt Vitamin D3, liegt voll im Trend. Häufig wird allerdings empfohlen, sehr hohe Dosierungen davon zu sich zu nehmen. Viel hilft schließlich viel, sollte man meinen. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Und was ist zu viel? Auf diese und weitere Fragen möchten wir in diesem Artikel eingehen.

 

Vitamin D – Was ist das eigentlich?

 

Wusstest du, dass Vitamin D eigentlich gar kein Vitamin im engeren Sinne ist? Vitamine sind Stoffe, die wir (zusätzlich zu Energielieferanten wie Fett, Zucker usw.) zum Leben dringend brauchen, die unser Körper aber nicht selbst herstellen kann. Das stimmt aber bei Vitamin D gar nicht, denn das können wir sehr wohl selbst bilden. Dazu müssen wir uns nur lange genug in der Sonne aufhalten. Je nach Hauttyp und Wohnort reicht es im Sommer aus, 5–25 Minuten mit unbedecktem Gesicht und unbedeckten Armen in der Sonne zu sein.1 Weil Vitamin D im Körper zu einem Hormon umgewandelt wird, nennt man es also eigentlich korrekterweise Prohormon.

 

Wozu ist Vitamin D gut?

 

Unser Körper braucht Vitamin D an vielen verschiedenen Stellen, manche davon sind auch noch Gegenstand aktueller Forschung. Wissenschaftlich erwiesen und allgemein anerkannt sind bisher die folgenden Wirkungen:

  • Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems (körperliche Abwehr) bei.
  • Vitamin D trägt zur Erhaltung einer normalen Muskelfunktion bei.
  • Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.
  • Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme/Verwertung von Calcium und Phosphor bei.
  • Vitamin D trägt zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei.
  • Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei.
  • Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung.

Es gibt außerdem noch verschiedene Untersuchungen, die eine Korrelation zwischen Vitamin-D-Mangel und verschiedenen Krankheiten herausgefunden haben. Korrelation bedeutet, dass etwas gleichzeitig auftritt, man aber noch nicht weiß, ob das eine die Ursache des anderen ist. Zum Beispiel wurden zwei Gruppen von Menschen verglichen: Die einen hatten die Nervenkrankheit Multiple Sklerose (MS), die andere nicht. Dann hat man die Vitamin-D-Spiegel untersucht und herausgefunden, dass die Menschen mit Multipler Sklerose weniger Vitamin D im Blut hatten als die gesunde Gruppe. Heißt das also, Vitamin D schützt vor Multipler Sklerose? Nein, eine solche Aussage wäre nach momentanem Wissen absolut unseriös. Man weiß nämlich gar nicht, ob das fehlende Vitamin D die Ursache für die Multiple Sklerose war oder ob es vielleicht so ist, dass ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung an der frischen Luft vor Multipler Sklerose schützt. Durch die viele Bewegung draußen haben die Menschen mit gesundem Lebensstil dann auch automatisch mehr Vitamin D. Es könnte sogar umgekehrt sein: Wer Multiple Sklerose hat, hat oft Schmerzen oder Probleme beim Gehen, deswegen geht er vielleicht viel weniger vor die Tür als ein Gesunder. Deswegen sinken dann die Vitamin-D-Spiegel ab.

Oft gibt es aber vor allem im Internet und in sozialen Netzwerken solche oder ähnliche Gesundheitsversprechen wie „Vitamin D heilt Krebs!“ oder „Vitamin D heilt Multiple Sklerose!“. Wir können dazu nur noch mal betonen, dass diese Versprechungen nicht wissenschaftlich erwiesen und deswegen auch unseriös sind. Egal, ob sie sich auf Studien berufen oder ob sie ganz aus der Luft gegriffen sind.

 

Wie viel Vitamin D ist eigentlich zu viel?

 

Besonders im Umkreis solcher Gesundheitsversprechen gibt es auch oft den Ratschlag, extrem viel Vitamin D einzunehmen. Zum Teil geht das bis zu einer Million I.E. (I.E. = Internationale Einheiten, die Mengeneinheit für Vitamin D) am Tag. Das ist allerdings viel zu viel für den Körper. Bei so hohen Dosierungen kann es sogar zu Vergiftungen kommen.2 Eine Überdosierung von Vitamin D kann unter anderem zu einer Niereninsuffizienz sowie zu einer Unterfunktion der Nebenschilddrüsen oder sogar bis zum Tod führen.

 

Und wie viel ist zu wenig?

 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Dosierung von 800 I.E. am Tag bei fehlender endogener Synthese. Was hier so kompliziert klingt, heißt eigentlich bloß: Wenn du nicht in die Sonne gehen kannst, solltest du dir dein Vitamin D woanders holen, und zwar am besten 800 I.E. davon pro Tag. Das kann zum Beispiel im Winter nötig sein oder wenn du lange Arbeitszeiten oder Nachtarbeit hast. In der normalen Ernährung ist nicht ausreichend Vitamin D enthalten, deswegen sind hier Nahrungsergänzungen nützlich. Mit den 800 I.E. pro Tag ist es auch ohne Sonne möglich, einen optimalen Vitamin-D-Spiegel zu erreichen. Die DGE spricht hier von 50 nmol/l als optimal. Mehr braucht man nicht, um die positiven Effekte von Vitamin D zu nutzen. Deswegen enthält unser Better Foods D3 + K2 auch „genau“ 800 I.E. pro Tagesverzehr. Übrigens: Selbst in den Studien, in denen es nur eine Korrelation zwischen Vitamin D und positiven Gesundheitswirkungen gab, waren die Dosierungen in den allermeisten Fällen auch nicht über 800–1000 I.E. pro Tag.

 

 

 

  1. https://www.bfr.bund.de/de/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_vitamin_d-131898.html
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6115827/
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