Laktoseintoleranz- eine typische Erscheinung der Gegenwart oder ein gesundheitliches Problem?

03.11.2017 10:00



Dein Kollege trinkt seinen Kaffee nur noch mit Sojamilch, Dein Partner verzichtet auf Weizenbrötchen zum Frühstück und Deine beste Freundin verschmäht neuerdings auf Sahnetorten? Bei der Ernährung auf Unverträglichkeiten zu verweisen, gehört mittlerweile zum guten Ton. Doch ist eine Laktoseintoleranz wirklich nur eine typische Erscheinung der Gegenwart oder stellt sie ein tatsächliches gesundheitliches Problem dar? Wir wollen Dich im Folgenden über die Mythen der Laktoseintoleranz aufklären. Eine Laktoseintoleranz zu haben ist keineswegs mehr nur beschränkt, sondern viel mehr eine Trend- und Modeerscheinung geworden. Denn irgendwie scheint es hipp und cool zu sein, sich als laktoseintolerant auszugeben und seinen Coffee-to-go bei Starbucks aber bitte mit Sojamilch zu bestellen. Wer was auf sich hält, verträgt von nun an also keine Milch mehr. 

Dass Allergien und Intoleranzen auf dem Vormarsch sind, daran besteht also keineswegs mehr Zweifel. Denn wer kennt es nicht, dass plötzlich Freunde oder Bekannte davon erzählen, dass sie an einer Laktoseintoleranz leiden und ab sofort keine Milch oder Milchprodukte mehr vertragen können. Oftmals endet dieses bei den Betroffenen mit einem kompletten Verzicht auf jegliche Milchprodukte. Doch dass eben dieser gravierende Folgen mit sich bringt, wie beispielsweise einen Kalziummangel, wird dabei oft nicht berücksichtigt. Damit scheint es immer wieder, dass eine gewisse Unwissenheit über das „Problem“ mit der Laktose herrscht. 

Schulmedizinisch ist eine Laktoseintoleranz ein Mangel an dem Enzym Laktase und genetisch bedingt. Die Verbreitung kommt dadurch zustande, dass sich mehr Gene vermischen als früher. Aber auch durch eine gestörte Darmflora, verursacht unter anderem durch Antibiotika, kann eine Laktoseintoleranz hervorgerufen werden. Die Darmwand wird irritiert und die Zellen können das Enzym nicht mehr in der benötigten Menge herstellen. Es mag zwar verrückt klingen, aber der Konsum von Laktose kann Dir tatsächlich bei einer festgestellten Laktoseintoleranz helfen, Deine Laktaseproduktion wieder anzukurbeln. Unser Körper fährt aus Effizienzgründen – oder, kurz gesagt, aus „Faulheit“ – die Produktion von Laktase herunter, wenn keine weitere Laktose mehr zugeführt wird. So kannst Du Deinen Körper auch wieder an den Konsum von Milchzucker gewöhnen. Aber auch durch die Supplementierung von Laktase durch spezielle Präparate wie LactoJoy kannst Du Deiner Laktoseintoleranz „aus dem Weg gehen“ und wieder genüsslich ein Rahmschnitzel verzehren.

Dass eine Laktoseintoleranz aber tatsächlich der Normalzustand ist, wird häufig vergessen. Kein Säugetier trinkt Muttermilch, sobald es der Kinderstube entwachsen ist. So geht es auch dem Menschen. 75 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung vertragen keinen Milchzucker. Als Neugeborene produzieren wir alle ein Enzym, das die Laktose abbaut. Doch später, wenn wir uns nicht mehr hauptsächlich von Milch ernähren, lässt diese Produktion nach. Auf der Südhalbkugel beträgt die Laktoseintoleranz unter Erwachsenen teilweise 80 bis 100 Prozent. Auf der Nordhalbkugel und vor allem dort, wo es traditionell Milchwirtschaft gibt, liegt der Wert aber nur zwischen 0 und 40 Prozent. Demnach ist man in Deutschland eher die Ausnahme, wenn auf Joghurt Übelkeit folgt. 

Laktoseintoleranz ist also definitiv keine Krankheit, sie ist ein normaler Zustand, der leider nicht mehr in unsere Lebensmittelindustrie und Essenskultur passt. Damit gehört eine Laktoseintoleranz zu den Zivilisationserkrankungen, die in den letzten Jahren verstärkt auftreten. Ursachen dafür sind neben dem erhöhten und vermehrten Konsum von Milchprodukten auch die oftmals ungesunde Lebensweise wie Fast Food oder der Verzehr industrieller Fertiggerichte. Insbesondere durch diese Veränderungen in der Essenskultur tritt das „Problem“ im Vergleich zu früher immer häufiger auf. Vor allem der Zeitgeist spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle. Denn wir Menschen sind sehr viel sensibler und aufmerksamer im Umgang mit unserem eigenen Körper geworden. 

Auch Ärzte stellen die Diagnose tatsächlich häufiger als früher. Was allerdings daran liegt, dass Betroffene verstärkt Hilfe suchen. Medien, Internet und die Auswahl an laktosefreien Milchprodukten haben uns Menschen für das Thema sensibilisiert. Unter anderem kommt es aus diesem Grund immer häufiger dazu, dass sich immer mehr Menschen selbst diagnostizieren. Die Folge ist, dass die Anzahl der „scheinbaren“ Laktoseintoleranten stetig steigt. Tatsächlich hat aber nur einer von 10 Patienten, die sich klinisch testen lassen, eine Intoleranz. Diese vielen Halbwahrheiten und Missverständnisse, die zu einer Laktoseintoleranz unter den Menschen und im Internet kursieren, können oftmals zu fatalen Fehleinschätzungen führen. Eine Laktoseintoleranz wird nämlich nicht selten mit dem weit verbreiteten Reizdarmsyndrom verwechselt, da die Symptome – wie Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall – oft ähnlich sind.

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