Laktoseintoleranz – Ein weltweites Phänomen

26.06.2019 02:38

Laktoseintoleranz – Ein weltweites Phänomen

In Deutschland führen Milch und Milchprodukte bei rund 15 – 20 Prozent der Bevölkerung zu Unverträglichkeiten. Schätzungen zu Folge ist der weltweite Prozentsatz aber um einiges höher. Wir informieren euch über die weltweite Verbreitung und Entwicklung der Laktoseintoleranz.

Es wird davon ausgegangen, dass etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung eine Unverträglichkeit gegenüber Laktose hat1. Diesen Menschen fehlt nämlich das Enzym Laktase. Fast jeder Mensch ist mit dem Enzym geboren, da Säuglinge damit den Milchzucker Laktose in der Muttermilch aufspalten. Dies ist die Voraussetzung, um Laktose überhaupt verwerten zu können. Die Fähigkeit zum Spalten der Laktose geht normalerweise im Erwachsenenalter verloren. Der Mensch entwickelt eine Laktoseintoleranz. Aufgrund von genetischen Veränderungen, während der Evolution des Menschen, ist aber nicht jeder Mensch weltweit laktoseintolerant.

 

Weltweite Unterschiede

 

Besonders in Nordeuropa sind Menschen, die Laktose vertragen, die überwiegende Mehrheit. Je weiter es in Richtung Süden geht, sieht es aber bereits ganz anders aus. Mehr als zwei Drittel der Südeuropäer haben eine Laktoseintoleranz. Noch drastischer sehen diese Zahlen in Richtung Asien aus. Dort vertragen nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung Milch. Es wird oft auch von einem Nord-Süd-Gefälle gesprochen, wenn es um Laktoseintoleranz geht. Das bedeutet je weiter nördlich ein Mensch wohnt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Milch verträgt. Die genaue Datenlage zur weltweiten Laktoseintoleranz ist nicht sehr genau, aber statistisch gesehen, vertragen Bewohner Asiens und Afrikas Laktose um ein Vielfaches schlechter als Europäer2. Eine Laktoseintoleranz zu haben, ist in Asien und Afrika praktisch die Norm.  

 

Keine Modeerscheinung

 

Es gibt zahlreiche Menschen, die behaupten, dass es Laktoseintoleranz früher noch nicht gab und es schlichtweg eine Modeerscheinung der Moderne ist. Diese Behauptung ist aber nachweislich falsch. Bereits die alten Römer waren sich darüber bewusst, dass bestimmte Symptome beim Menschen entstehen können, nach dem Verzehr von Milch. Vor rund 8000 Jahren war die Laktoseintoleranz noch der Normalzustand bei den Menschen. Der Grund dafür, dass viele Menschen heute Milch und Milchprodukte vertragen können, liegt an einer Genmutation.

 

 

Laktoseverträglichkeit durch Genmutation

 

Der Grund warum heutzutage auch Erwachsene oftmals Milch vertragen können, ohne lästige Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen ertragen zu müssen, ist eine Genmutation. Die Produktion des Enzyms Laktase ist nämlich genetisch gesteuert. Im Laufe der Evolution ist es manchen Menschen gelungen Laktase auch noch im Erwachsenenalter zu produzieren. Diese Mutation konnte an die nächsten Generationen weitergegeben werden, mit der Folge, dass es heutzutage viele Menschen gibt, die Laktose gut vertragen können. Die schützende Genmutation ist erst in den letzten 7500 Jahren entstanden. Die Domestikation des Rindes spielte hierbei eine große Rolle.

 

Evolutionärer Vorteil

 

 Durch die vermehrte Aufnahme von Milch, hat sich der Mensch im Laufe der Evolution an diese Umstellung angepasst und eine Verträglichkeit (Lactasepersistenz) entwickelt. Das hatte auch einen enormen evolutionären Vorteil. Die Menschen, die Milch vertragen konnten, konnten die Milch als zusätzliche Nahrungsquelle nutzen. Die Kindersterblichkeit nach dem Abstillen konnte ebenfalls so reduziert werden. Milch als zusätzliche Nahrungsquelle konnte sich durch die Genmutation durchsetzen und das Angebot an Lebensmitteln, die Milch enthalten, steigt seitdem stetig an.

 

 

1.           Improved lactose digestion and intolerance among African-American adolescent girls fed a dairy-rich diet. In: Journal of the American Dietetic Association. 2000 (Approximately 75 % of the world’s population loses the ability to completely digest a physiological dose of lactose after infancy).

2.           www.nahrungsmittel-intoleranz.com: Steinzeitmenschen mit Laktoseintoleranz.

 

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