Laktasepräparate mit Depotwirkung?

29.05.2019 17:00

Wäre das nicht praktisch? Eine Laktasetablette am Anfang des Monats als Depot und 30 Tage lang unbeschwert Milchprodukte genießen? Das wäre ein Traum für viele Laktoseintolerante. Leider ist es nicht ganz so einfach. Wir klären auf über ein weit verbreitetes Missverständnis und lüften das Geheimnis der Depotpräparate.

Wie körpereigene Laktase-Enzyme wirken

„Normale Menschen“ ohne genetische Mutation können spätestens nach dem Säuglingsalter im Dünndarm wegen fehlender Laktase-Enzyme keine Laktose mehr spalten und sind dadurch laktoseintolerant. Die Laktase im Dünndarm hat bei Säuglingen die Aufgabe, Laktose in Galactose und Glucose zu spalten. Galactose (Schleimzucker) und Glucose (Traubenzucker) liefern dem Körper und Geist Energie und sind besonders bei Säuglingen wichtig für die Versorgung des Gehirns. Unter anderem deshalb ist die Muttermilch in der Stillzeit für alle Säugetiere auch so wichtig.

 

Laktosetoleranz durch Laktase-Enzyme aus Hefe

Nun schmecken Produkte mit Milchzucker leider ziemlich gut, weshalb man unserer Meinung nach die 85 % laktosetoleranten „Mutanten“ in Europa durchaus beneiden kann. Die gute Nachricht an dieser Stelle lautet daher, dass man den natürlichen Laktasemangel im Dünndarm kurzzeitig ausgleichen kann. Man nimmt dazu die fehlenden Enzyme einfach als Tablette ein und wird dadurch für kurze Zeit laktosetolerant. Das Problem an dieser Stelle ist, dass die erworbene Laktosetoleranz nicht allzu lange anhält: Man muss vor dem Genuss laktosehaltiger Produkte jedes Mal wieder neue Laktase-Enzyme nehmen. 

 

Laktasedepot? 

Manche Menschen denken aber fälschlicherweise, Laktoseintoleranz sei eine Allergie oder eine Art Krankheit, gegen die man regelmäßig Tabletten nehmen muss. Wie bei Heuschnupfen oder bei Bluthochdruck: Eine Tablette am Tag und die Probleme sind gebannt. Leider stimmt das aber nicht und führt häufiger zu Unmut, wenn dann nach dem Genuss von Milchprodukten trotzdem Beschwerden auftreten. Wie schon erwähnt führt die Einnahme von Laktase-Enzymen nur zu einer kurzen Phase der Laktosetoleranz, meistens nur direkt während der Mahlzeit. Die eingenommenen Laktase-Enzyme werden nämlich im Körper einfach wieder abgebaut oder ausgeschieden. Daher kann man leider nicht direkt morgens nach dem Aufstehen eine Laktasetablette zu sich nehmen und ist für den Tag gewappnet. 

 

Kann man nicht? – Es gibt doch Laktasetabletten mit Langzeitdepot?

Da dein Körper über keine eigenen Laktase-Depots verfügt, sondern die Laktase direkt im Darm produziert, lässt sich leider kein Vorrat anlegen. Die Depotwirkung muss deswegen durch die Beschaffenheit der eingenommenen Laktasetablette oder Kapsel erfolgen. In den Produkttexten der entsprechenden Anbieter wird das gerne mit einer „verlängerten Enzymabgabe“ beschrieben. Das hast du bestimmt schon mal gelesen. Darum wird immer nur ein Teil der Laktase über einen gewissen Zeitraum freigesetzt. Dadurch besteht die Gefahr, je nach Lebensmittel, zu wenig Laktase zur Verfügung zu haben und dadurch „unterdosiert“ zu sein. Es gibt aber auch einen großen Vorteil: Selbst wenn nur wenig Laktase freigesetzt wird, hat man sozusagen einen Schutzschild vor kleineren Mengen von Laktose für bis zu 4 Stunden. Das reicht ohne Probleme aus für die geringen Mengen an „versteckter Laktose“, wie sie gerne mal in Wurst, Fertiggerichten, Soßen etc. enthalten sind. 

 

Fazit

Laktasetabletten mit und ohne Depotwirkung haben definitiv beide ihre Vor- und Nachteile. Diejenigen mit Depotwirkung haben eine schützende Funktion für einige Stunden, um nicht im Alltag außer Haus durch versteckte Laktose böse überrascht zu werden. Es kann aber auch passieren, dass bei Produkten mit viel Laktose, wie z. B. Milcheis, dann plötzlich nicht genug Laktase-Enzyme zur Verfügung stehen. Dann ist man vielleicht „unterdosiert“ und bekommt trotz Laktase die typischen Beschwerden zu spüren. 

Laktasetabletten ohne Depotwirkung bieten sehr viel mehr Sicherheit direkt während der Mahlzeit. Man kann sich sicher sein, dass man genug Enzyme eingenommen hat, um keine Magen-Darm-Probleme zu bekommen. Außerdem hat man durch die einfachere Formulierung oft auch weniger Zusatzstoffe. Denn die „verlängerte Enzymfreisetzung“ in den Depotprodukten kommt normalerweise dadurch zu Stande, dass die Laktase-Enzyme einfach mehrmals verkapselt bzw. in einen Trägerstoff eingebettet werden. Die Kapseln lösen sich dann langsam auf und geben die Enzyme kontinuierlich frei. Das führt dazu, dass man pro Menge Laktase natürlich mehr Zusatzstoffe benötigt. 

Hier kommt auch das Problem mit der Unterdosierung noch mal auf: Menschen sind verschieden und Essgewohnheiten sind verschieden. Die kontinuierliche Freisetzung der Laktase-Enzyme ist aber bei jeder einzelnen Depot-Tablette gleich – und damit vielleicht gar nicht für jeden Menschen passend. 

Es gibt Depotprodukte, die noch nicht mal 10 000 FCC haben und das muss dann für mehrere Stunden reichen. Jetzt hat so eine Tafel Schokolade aber gerne mal um die 7 g Laktose. Es soll auch in den besten Familien vorkommen, dass man mal eine ganze Tafel auf einmal isst. Haben wir gehört. Einer interessanten Studie1zufolge braucht man dann schon recht viel Laktase, am besten über 5000 FCC, denn sicher ist sicher. Ob das Depotprodukt das dann spontan leisten kann, ist fraglich. 

Allgemein gilt: Laktoseintolerant ist nicht gleich laktoseintolerant. Bei manchen Menschen werden noch einige natürliche Laktase-Enzyme im Dünndarm gebildet, manche Menschen bilden aber auch gar keine mehr. Es muss also eigentlich immer sehr individuell dosiert werden. Daher haben wir von Better Foods uns dazu entschieden, unsere LactoJoys nicht mit einer Depotwirkung auszustatten. Stattdessen haben sie eine Sollbruchkante für leichtere Dosierung, damit jeder so viel Laktase zur Verfügung hat, wie er oder sie gerade braucht. Außerdem sind unsere kleinen weißen Helfer frei von unnötigen Zusatzstoffen, hochdosiert und nur mit den besten Zutaten hergestellt. Damit stehst du im Zweifel auf der sicheren Seite, und kannst deinen Alltag beschwerdefrei genießen.

 

1          O'Connell S., Walsh G. – Physicochemical characteristics of commercial lactases relevant to      their application in the alleviation of lactose intolerance. Appl Biochem Biotechnol  134(2):179-91 (2006).

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